Donnerstag, 10. November 2011

Helden der Kindheit

Auf ZDF kultur ist der Winnetou Tag und dabei fallen mit all die Helden meiner Kindheit ein.

Ich bin 1954 geboren und als ich 6 war, kam der erste Karl-May-Film ins Kino. War auch der erste Kinofilm überhaupt für mich. Ich habe auch fast alle Karl May Bücher gelesen und fand sie toll. Aber mein Held war er eigentlich nicht.

Als Kind der 50er und 60er Jahre musste man in der Schule auch Aufsätze schreiben zum Thema: Wer ist mein Vorbild

Um eine gute Note zu bekommen, tat man gut daran ein Vorbild zu haben, dass der katholischen Schule auch genehm war. Also waren meine Vorbilder Konrad Adenauer und später John F. Kennedy. Und natürlich der Namensgeber meiner Schule, Don Bosco, der sich für italienische Straßenjungs eingesetzt hatte. Komisch, wir haben nie hinterfragt, was mit den Straßenmädchen war. Oder gab es die damals nicht?

Auch Adenauer oder Kennedy würde ich heute auf keinen Fall mehr als Vorbild nennen.

Als ich in der Lehre war, 1968, hatte ich andere Vorbilder. Rudi Dutschke zum Beispiel oder auch Che Guevara. Dafür schäme ich mich auch heute noch nicht.

Mein wirklicher Kindheitsheld war mein Bruder. Der war 19 Jahre älter und bei der Luftwaffe. Ich habe ihn nie als bei uns wohnend kennengelernt aber er war so toll. Wenn er in Uniform kam, groß und stattlich, das war was. In der Familie gab es die Geschichte, dass ich als Kleinkind bei der Impfung dem Arzt gesagt haben soll, wenn er mir weh tut, kommt mein großer Bruder. Der hat ein Gewehr. Woher ich das bloß wusste?

Heute habe ich keine Vorbilder mehr. Zu sehr habe ich erkannt, dass es keine perfekten Menschen gibt. Irgendeinen Fehler hat Jeder. Also versuche ich ohne Leitfigur klar zu kommen. Oder halt! Stimmt nicht. Ich habe Menschen an denen ich mich schon irgendwie orientiere. Meine beste Freundin, die so wahnsinnig beliebt ist. Oder meine jüngste Tochter, die es viel besser als ich schafft ihr Leben zu meistern.

Ganz ohne das Vorbild anderer Menschen kommt man eben doch nicht aus.

Kommentare:

Ferun Namid hat gesagt…

Ich hatte meist Biologen als Vorbilder, weil ich unbedingt Tiere erforschen wollte und natürlich rotzfreche Mädchen wie Pipi Langstrumpf und die rote Zora ^^ Man sieht ja von denen hab ich mir am meisten abgeschaut.

FrauJudith hat gesagt…

Ein Vorbild ist auch kein Idol.
Es ist einfach ein Beispiel dafür, wie man es richtig oder besser macht.
Das können unterschiedliche Menschen in unterschiedlichen Situationen sein.
So handhabe ich das.

Lieben Gruß,

Judith

Irmi hat gesagt…

Früher - in der Schule - hatte ich auch Vorbilder. Im Laufe der Jahre hat sich das gewandelt.Heute habe ich auch keine mehr - wozu auch?
Liebe Abendgrüße schickt dir
Irmi

Pieps™ hat gesagt…

Uuuups, un' ich dachte schon, Don Bosco is' der Bruder von Robbin Hudd!

Ray Gratzner hat gesagt…

Liebe Hexe,

vielen Dank, dass Du mich in Deine Jugend mitgenommen hast und ich finde die Geschichte mit dem Arzt und Deinem Bruder sehr schön...

Vorbilder - na manchmal helfen Sie mir, bei bestimmten Dingen, aber nur eines, dass geht nicht...

Liebe Grüße Rainer