Mittwoch, 2. November 2011

Die Kreuzfahrt 4. Teil

1. Teil
2. Teil
3. Teil

Morgens kamen wir also in meinem Traumland an. Ägypten und seine Geschichte hatte mich schon seit meiner frühen Jugend fasziniert und ich hatte mit 14 in der Stadtbücherei meiner Heimatstadt sämtliche Populärwissenschaftlichen Bücher darüber gelesen.

Wir setzten in Port Said den Fuß auf diesen geheiligten Boden um kurz danach wieder in einen Bus zu steigen. 3 Stunden fuhren wir dann über Land nach Kairo. Die Straße schien durch unbewohntes Gebiet zu führen, nur hier und da stand ein wackeliger Schuppen oder Stall auf einem staubigen Feld. Später erfuhr ich, dass das eigentlich Wohnhäuser waren. Da momentan dort Ramadan war, waren diese Schuppen nämlich mit bunten Lichterketten geschmückt.

Am Vormittag kamen wir dann im Kairo an. Die Stadt entsprach so gar nicht meinen romatischen Vorstellungen. Vollgestopft mit Autos, vor allem Taxen, mit Menschen und so krasse soziale Unterschiede in einer Straße hatte ich nicht erwartet. So gab es z.B. ein luxuriöses Botschaftsgebäude inmitten von einem Elendsviertel.


Wir fuhren zunächst zu einer Moschee, der Alabaster-Moschee. Offenbar war das ein Pflichttermin, denn eigentlich war diese Moschee nicht gerade soooo toll. Aber geschichtlich anscheinend sehr wichtig. Hier hatte ich ein Erlebnis der ekelhaften Art, als viele Frauen aus dem Bus zur Toilette mussten und es nur ein Loch im schlammigen Boden gab. Ich will darauf nicht näher eingehen.

Endlich ging es dann aber weiter an den Nil und zum Ägytischen Museeum. Darauf hatte ich mich sehr gefreut und es war einfach nur großartig. All diese wundervollen Fundstücke, besonders die goldene Maske von Tut-anch-Amun, wirklich real zu sehen, das war schon ein Lebenstraum, der sich erfüllte. Leider waren wir nicht in dem Mumiensaal, der kostete extra Eintritt und die Reiseleiter begannen auch schon zu hetzen.

Vom Museeum ging es dann zu den Pyramiden. Ich war wirklich sehr naiv gewesen und dachte, diese Bauwerke lägen in der Wüste. Alle Fotos die ich bis dahin gesehen hatte, zeigten die Pyramiden auch in so einem Blickwinkel. In Wahrheit liegen sie direkt an einer Hauptverkehrsstraße und an den Häusern von Kairo.Wir waren kaum 10 Minuten an der oberen Pyramide, da ging es mit dem Bus auch schon ganz runter an den Sphinx Tempel. Der Eintritt dafür war, ebenso wie Alles andere, in den 150 DM für den Ausflug inbegriffen. Der Weg in den Tempel ging durch tiefen Sand und war für die alten Leute vom Schiff recht beschwerlich. Wir allerdings kamen gut durch und schon waren wir im Tempel. Aber bevor ich noch WOW! denken konnte, wurden Rufe laut und wir mussten wieder raus. Auf Kamelen kamen die Männer von der Tourist Police angeritten und vertrieben uns Touristen und erst recht die vielen Händler und Kinder von dem Tempel und den Pyramiden. Wir waren Alle sehr schockiert über die Brutalität, mit der diese Männer vorgingen. Sogar kleine Kinder wurden teilweise mit Reitgerten geschlagen. Als Begründung sagte man uns, es sei ja Ramadan und dort würde jetzt Alles geschlossen weil die Wächter beten müssten. Von den ca. 300 Leuten vom Schiff hatten es gerade mal 50 in den Tempel geschafft.

Nach diesem Schreck fuhr man uns zu einer Straße nicht weit von den Pyramiden entfernt. Anscheinend hatten die einheimischen Reiseleiter mit den Geschäftsleuten dort Verträgen, denn dort merkten wir Nichts von Ramadan und wir hatten auf einmal 2 Stunden Zeit uns dort umzusehen. Es gab ausschließlich Läden mit nachgemachten Kunstwerken, manchmal gruseliger Kitsch. Natrülich kaufte Jeder dort, denn irgendwie musste man ja die 2 Stunden herum bekommen. Ich bekam einen sehr schönen silbernen Anhänkern, blau emailliert, das Ank Kreuz. Ich trage ihn auch heute noch manchmal.

Endlich ging es weiter, in ein Luxushotel. Sowas hatte ich nicht erwartet. Schon die Lobby strotzte von schwarzem Marmor und Gold. Die Wänder, der Boden, die Rezeption...Alles glänzte und funkelte. Wir wurden eine breite Marmortreppe in den ersten Stock geführt. An der Wand gab es einen klaren Wasserfall über die ganze Breite. Beeindruckend. In einem Speisesaal der wie für eine Hochzeit geschmückt war, gab es dann unser Dinner. Ein Buffet mit wirklich gutem Essen. Aber der Höhepunkt war die Damentoilette. Ein extra dafür anwesender Angestellter führte mich dorthin. Der Vorraum war mindesten 30 Quadratmeter groß mit Waschbecken, goldenen (?) Wasserhähnen und jede Menge junge Ägypterinnen, die dort nur dazu da waren, nach dem Händewaschen ein angewärmtes Handtuch zu reichen. Hammer! Und ich hörte, die Herrentoilette war ähnlich.

Nach dem Essen ging es nochmals zu den Pyramiden. Es war inzwischen dunkel und damit schlagartig kalt geworden. Eben waren es noch 25° und nun waren es höchsten noch 5°. Wir wurden frierend zu einer Reihe von Stühlen geführt und es begann eine unglaubliche Show. Licht und Laserbilder wurden auf eine Seite der Cheopspyramide geworfen. Dazu erklärte eine Stimme in einwandfreiem Oxford-Englisch die Informationen zu den Bauwerken. Links und rechts von mir saßen nur Leute, die kein Englisch konnten und so versuchte ich simultan wenigstens das Wichtigste zu überstzen. Aber schon nach ein paar Minuten war ich so fasziniert und vregaß das übersetzen.

Nach einer Stunde war Alles vorbei und wir fuhren wieder im Bus. Diesmal von Kairo nach Alexandria, wo das Schiff inzwischen hingefahren war. Wir waren Alle total müde und verschliefen die lange Fahrt. In den ganz frühen Morgenstunden kamen wir dann in dieser schönen Stadt an. Es war schon überall Hochbetrieb und wir staunten, dass der Bus überhaupt vorwärts kam. Auf dem Schiff gingen wir dann aber noch ein paar Stunden schlafen bis zum Frühstück.

In Alexandria gingen wir dann auf eigene Faust von Bord. Allerdings wurden wir vor dem Schif dermaßen von Händlern belagert, dass man kaum durchkam. Das war uns dann zuviel, so dass wir wieder an Bord gingen und einen gemütlichen Tag auf dem Schiff verbrachten. Zum Kaffee am Nachmittag gab es dann eine tolle Überraschung. Außer Benni waren nur noch 2 andere Kinder an Bord. Beide waren im Kindergartenalter. Und es war inzwischen der 6. Dezember, Nikolaustag. Beim Kaffee kam plötzlich der Nikolaus und bescherte die Kinder. Benni war das sichtlich peinlich aber er freute sich trotzdem. Es gab ein paar Süßigkeiten und Stifte und ein Malbuch von der Astor. Ich fand das sehr nett und aufmerksam.

Nachts ging es dann wieder auf See. Richtung Kreta, ein weiterer Höhepunkt. Schon in der Nacht merkte ich, dass das Schiff nicht so ruhig fuhr wie sonst. Und als wir morgens das Bordradio anmachten, kam dann die Info, dass wegen eines Orkans nicht der geplante Hafen angefahren werden konnte, sondern wir nun auf der anderen Seite der Insel waren. Das war natürlich Pech für uns, denn wir wollten ja die 3 KM nach Knossos mit dem Taxi fahren. Das konnten wir nun vergessen. Den Landausflug zu buchen war es nun zu spät und so beschlossen wir, mit den Linienbus vom Hafen in die kleine Stadt Chania zu fahren und uns dort ein wenig umzusehen. Ausgerüstet mit keinem Wort griechisch und keine Ahnung von der Schrift aber einer Portion Abenteuerlust zogen wir los. Im Hafen fuhr ein Bus ab, den wir einfach nahmen in der Hoffnung, der geht nach Chania. Und ja, es klappte. Und ja, der Ort war wundervoll. Mit einer uralten Markthalle, wo so richtig orientalisches Flair entstand. Es gab wirklich ALLES! In dem Ort gab es auch noch ein kleines Museeum, wo wir auch rein gingen. Und der kleine Hafen im Ort war wirklich auch schön. Wir hatten einen schönen Tag und sogar den Weg zurück fanden wir.

Abend gab es ein amerikanisches Dinner, auf das ich mich schon gefreut hatte. Es sollte unter anderem Spare-Ribs geben. Etwa 1 Stunde vor dem Dinner legten wir ab und fuhren in einen Orkan mit Windstärke 12 hinein. Wow, das Schiff schlingerte und schaukelte. Das Wasser im Außenpool schwappte nur so hoch. Wenn man auf einem Stuhl saß, ging es hoch und wenn es dann wieder runter ging, hatte man kurz das Gefühl von Schwerelosigkeit. Es war wie auf der Kirmes und ich war schon gespannt, wie das Ballett an dem Abend tanzen würde. An unserem Tisch saßen auf einmal nur noch die alte Dame und ich, alle Anderen inklusive meiner Familie hatten es vorgezogen in den Kabinen zu bleiben. Ich selbst, als alte Achterbahnfahrerin, blieb zum Glück von Seekrankheit verschont. Und am nächsten Morgen war auch Alles wieder vorbei.

Und wir waren auf dem Weg nach Neapel. Aber davon erzähle ich im 5. und letzten Teil

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Und? Hat das Ballett getanzt? Und wenn ja, wie?

Lieben Gruß
Lidania

Hexe hat gesagt…

Ja es hat getanzt aber ich musste mich ja um meine seekranken Männer kümmern und konnte es nicht sehen.