Sonntag, 30. Oktober 2011

Die Kreuzfahrt Teil 1

Im Fernsehen habe ich eben zufällig einen Bericht über eine Kreuzfahrt mit der MS Astor gesehen und da wurden viele Erinnerungen in mir wach. Also dachte ich mir, ich erzähle euch mal von der wohl teuersten und aufwendigsten Reise meines Lebens.

Leider kann ich keine Bilder zeigen, denn damals hatte ich noch keine Digicam und alle Fotos sind auf Papier. Mal sehen, vielleicht kann meine Freundin mal das Eine oder Andere für mich einscannen.

Alles begann im April 2000, als in meiner Stadt eine neue Einkaufsgalerie eröffnet wurde. Mit meinem Sohn, damals 9 Jahre alt und meinem (noch) Mann sah ich mir Samstags das Ganze natürlich auch mal an. Im Zentrum des Gebäudes gab es einen offenen Platz, wo man eine Art Bühne gebaut hatte. Dort wurde immer wieder ausgerufen, dass es in 15 Minuten eine Verlosung von Reisen eines Reisebüros aus der Galerie geben würde. Man solle die Zeit nutzen und sich doch das Reisebüro ansehen.

Gesagt getan, wir gingen also in den Laden und schauten uns um. Er war nicht groß, nur ein paar Regale mit Reiseprospekten, 3 Schreibtische und ein paar Pflanzen. Also Rolltreppe wieder runter und auf den Platz vor die Bühne. Inzwischen waren so etwa 100 Leute dort versammelt, die Alle auf die Verlosung warteten. Ein Conferencier ergriff das Mikro und los gings. Er stellte eine Reise nach Ibiza vor, 14 Tage Luxushotel mit Flug für 2 Personen. Wow, ich war schon seit Jahren nicht mehr in Urlaub, das wäre toll. Eine Frage würde er stellen und wer die als Erster beantwortet hat gewonnen.

Ich kann mich nicht mehr an die Frage erinnern aber die Antwort wusste Jeder und so suchte sich der gute Mann Irgendwen aus dem Publikum und schon war die Reise vergeben. Die zweite Frage war etwas schwieriger, schließlich ging diese Reise nach Zypern. Aber auch da wussten mindestens 50 Leute die Antwort. Und die Reise war weg. Für die dritte Reise, den Hauptgewinn, sollte man mit den Fingern die Anzahl der Schreibtische in dem Reisebüro zeigen. Meine Hand mit 3 Fingern schossen nach oben. Als Einzige!!!!

Ich wurde nach oben auf die Bühne gebeten und hier erfuhr ich dann, was ich gewonnen hatte. Eine 15 tägige Kreuzfahrt mit der MS Astor, dem ehemaligen TV Traumschiff, im östlichen Mittelameer bis nach Ägypten für 2 Personen. Meine Knie zitterten und ich dachte ich träume. Waaahnsinn! Man überreichte mir einen Gutschein und ich solle Montags kommen, damit wir die Einzelheiten besprechen könnten.

Natürlich konnten wir an diesem Wochenende kaum schlafen. Immer wieder überlegten wir, ob wir die Reise überhaupt antreten sollten. Man hörte ja immer wieder, dass man an Bord aufwendige Kleidung braucht und Alles recht teuer sei. Außerdem war der Reisetermin erst Ende November/Anfang Dezember 2000 und außerhalb der Schulferien. Was sollten wir mit dem Kind machen?

Montags im Reisebüro waren wir fast entschlossen zu fragen, ob wir die Reise verkaufen dürften. Der Herr dort war sehr freundlich und überzeugte uns, nicht auf dieses Erlebnis zu verzichten. Wenn es nur wegen meines Sohnes sei, der könnte kostenlos mitfahren, denn Kinder bis 10 Jahre seien in der Kabine der Eltern frei. Die Abreise des Schiffes sei in Nizza und die Anreise mit einem Reisebus wäre im Preis auch inbegriffen. Lediglich die Tagesausflüge während der Kreuzfahrt müssten wir selbst zahlen.

Nun ja, die Stationen der Reise, Athen, Zypern, Kreta, Jerusalem, Kairo, Neapel, Rom und all die tollen Landausflüge waren schon sehr verlockend. Und bis November waren ja auch noch 7 Monate, da konnten wir noch für das Taschengeld sparen. Also sagten wir kurzentschlossen ja zu dem Abenteuer.

Als der Abreistermin näher rückte, mussten wir in der Schule meines Sohnes wegen Sonderurlaub fragen. Der wurde uns überraschenderweise auch gewährt. Der Schulleiter meinte, auf dieser Reise könne Benny mehr lernen als im Geschichtsunterricht. Die festliche Garderobe bestand dann aus einem langen schwarzen Rock mit diversen Glitzerblusen und Tops für mich und Anzügen für meinen Mann und meinen Sohn für die festlicheren Anlässe. Tagsüber und an Land war legere Freizeitkleidung angesagt.

Da tauchte das erste Problem auf. Der Reisebus, mit dem wir nach Nizza fahren sollten, war aus unserer Gegend von Niemand gebucht worden und fuhr deshalb nicht. Flugtickets wollte die Reederei aber nicht zahlen. Also buchte uns das Reisebüro Bahntickets für einen Liegewagenzug. 20 Stunden Fahrt durch Deutschland, Schweiz, Italien nach Frankreich.

Nun vertrauten wir der Bahn, was Pünktlichkeit anbelangt, aber nicht. Sicherheitshalber buchten wir dann über eine Agentur ein sehr günstiges Hotel in Nizza. 150 DM für eine Nacht Dopperzimmer mit Zustellbett und Frühstück.

Spätabends ging es ab Köln mit dem Liegewagen nach Mailand. Dort kam der Zug auch pünktlich an und wir erreichten bequem den unheimlich schicken Zug nach Ventimiglia. Dort sollten wir in den Zug nach Nizza umsteigen. Es war eine wirklich sehr schöne Fahrt entlang der KRiviera. San Remo und Monaco lagen auf der Strecke und es gab gefühlte hunderte Tunnel. Auf jedem Bahnhof hielt die Zugbegleiterin mit den örtlichen Bahnangestellten ein Schwätzchen, man hatte sich bestimmt lange nicht gesehen. Oder sie nahm ein Paket entgegen, das sie dann zwei Bahnhöfe weiter wieder abgab usw. So schaffte es der Zug ca. 1 Stunde Verspätung hereinzufahren. Und unser Anschluss in Ventimiglia war weg. Nicht weiter schlimm, denn wir waren ja extra einen Tag früher gefahren und hatten unser Hotel gebucht.

Auf dem Bahnhof in Ventimiglia gab es allerdings an keinem Gleis eine Anzeige, welcher Zug wann und wohin fahren würde. Und die "netten" italienischen Bahnangestellten sprachen weder deutsch noch englisch. Und wir kein italienisch! Es gab auch keine Aushangfahrpläne, nichts. Panik, gestrandet am Ende der Welt! Schließlich erbarmte sich ein französischer Reisender, der mitbekam dass wir nach Nizza mussten und nahm uns unter seine Fittiche. Er war Kellner in Nizza und zeigte uns als wir am frühen Abend ankamen am Bahnhof noch den Taxistand.

So fuhren wir zu unserem Hotel, das sich natürlich als Bruchbude erwies. Aber egal, nach 20 Stunden Bahnfahrt waren wir total müde und hungrig. Wir bezogen unser Zimmer, das natürlich kein Zustellbett hatte, sondern nur ein etwa 1,60m breites französisches Bett. Das Zimmer hatte auch nur 3 Wände, ich sah bis dahin und seitdem niemals ein dreieckiges Zimmer, und führte auf eine autobahnbreite Prachtstraße, die hell erleuchtet war. Es gab auch keine Wanne, nur eine Dusche mit einer etwas höheren Brausetasse, die aber nur kaltes Wasser hatte. Auf der Suche nach einem Restaurant mit erschwinglichen Preisen fanden wir ein süßes kleines Bistro, wo es noch Sandwiches gab. Dann wollten wir nur noch schlafen.

Am nächsten Morgen suchten wir nach dem Frühstücksbuffet. In einem gruseligen Speisesaal mit dunklen Holzvertäfelungen an den Wänden stand es bereit. Es gab heiße Milch und Nescafepulver, hartgekochte Eier und Butter und alte Croissants. Trotzdem ließen wir es uns, mit der Vorfreude auf das Schiff, nicht verdrießen und aßen Etwas. Danach ließen wir uns mit dem Taxi zum dem Hafen bringen, in dem die Astor liegen sollte.

Wir fuhren am Meer entlang über die Prachtboulevards zum Hafen, eine sehr lange Kurve, die sich in den Hafen öffnete. Und da lag es, das wunderschöne weiße Schiff. Groß und schneeweiß leuchtend wie ein riesiger stolzer Schwan. Uns blieb die Luft weg.

Fortsetzung folgt.

Kommentare:

Ryanne hat gesagt…

Du meine Güte, das hört sich jetzt schon nach einer Himmelfahrt an... traue niemals Geschenken, lach..
Bin gespannt, wie es weiter geht!

Pauls-wunderwords hat gesagt…

Sehr interessant. Los, weiter. :)