Sonntag, 17. April 2011

Palmsonntagsgedanken

Ich war ja mal katholisch. So als Kind. Weil mein Opa das so wollte. Der allerdings war, wie mein Vater auch, evangelisch. Aber sehr gläubig.

Nun war mein Opa der Meinung, das Kind wird von der Mutter erzogen (so dachte man in den 50er Jahren eben) und muss deshalb den gleichen Glauben haben. Ich wurde also katholisch getauft und musste dann 9 Jahre lang eine katholische Volksschule (ja sowas gab es mal) besuchen.

Dazu gehörte selbstverständlich auch der sonntägliche Besuch der Kindermesse, die Kommunion mit 7 Jahren, die wöchentliche Beichte und später die Firmung. Alles wurde in der Schule auch kontrolliert, damit kein Schäfchen etwa verloren ging.

Meine schönste Erinnerung an die Kindermessen sind die Heiligenbildchen, die man ins Gebet- und Gesangbuch legte. An besonderen Kirchenfesten wie Ostern oder Weihnachten bekam man, wen man zur Eucharistie ging, auch ein mit Datum versehenes besonderes Bildchen geschenkt. Die "einfachen" Bildchen bekam man im Religionsunterricht für gute Leistungen oder von Onkel und Tante z.B. geschenkt.

Heiligenbildchen waren bei uns Mädchen mindestens so begehrt wir die weltlichen Glanzbildchen. Wir sammelten und tauschten sie mit großer Freude. Im Gottesdienst! Was uns auch öfters Ärger einbrachte, denn wir tauschten immer sehr eifrig und nicht leise.

Als ich so etwa 10 Jahre alt war, wurde mir allmählich bewusst, was für eine Scheinheiligkeit und Heuchelei die Erwachsenen in der Kirche zeigten. Mein naiver Kinderglaube wurde immer mehr zerstört. Warum ging meine Mutter niemals in die Kirche oder zur Beichte? Warum war es für Frau Dr. M., der Gattin des örtlichen Ohrenarztes, wichtiger ihren neuen Pelz zu zeigen, als eine Spende in die Kollekte zu legen? Warum waren fast immer nur Kinder und alte Frauen bei der Beichte? Warum.......?

Als ich mit 14 Jahren aus der Schule kam, war meine Laufbahn als katholische Gläubige auch beendet. Der beständige Zwang seitens der Schule was die Pflichten zum Kirchgang oder der Beichte betraf, weckte in mir die einem Widder angeborene Rebellion. Da ging ich nicht mehr hin. Außerdem benutzte ich meinen Kopf schon immer zu mehr als nur zum Haare kämmen. Ich begann mich mit anderen, bis dahin noch christlichen, Varianten zu beschäftigen.

Protestanten, Zeugen Jehovas, Mormonen, Alle habe ich studiert. Danach kamen der Talmud und der Koran an die Reihe. Mein Widerwille wuchs beständig. Das war es einfach nicht.

Dann kamen viele Jahre, in denen ich mit anderen Dingen beschäftigt war. Lehre, Hochzeit, Kinder usw. Erst viel Später, in den 90er Jahren, begann ich mich mit meiner Spiritualität zu beschäftigen. Entdeckte das Tarot, lernte Heiden kennen, und begann Wicca und andere Literatur zu lesen.

Schließlich fand ich dann meine Götter, meine Freunde. Ich gehöre keiner bestimmten Gruppe an, tendiere aber stark zu den keltischen Göttern und Glaubensphilosophien. Ich bin noch nicht am Ziel angekommen aber schon in der Nähe.

Heiligenbildchen finde ich aber immer noch schön.

Kommentare:

Ray Gratzner hat gesagt…

Liebe Hexe,

erstmal Glückwunsch zu Deinem neuen Bild. Das sieht sehr humorvoll aus. Mir gefällt es.

Ich finde es gut, dass Du nicht nur dagegen warst, sondern Dir auch Deine eigene Meinung gebildet hast. Anders geht es ja nicht, doch auch heute sind noch viele Menschen denkfaul.

Liebe Grüße Rainer

FrauJudith hat gesagt…

Die Beichte musste ich als evangelisches Kind nicht machen.
Aber eine Klassenkameradin musste schon in der ersten Klasse hin. Das fand ich ganz schrecklich, als ob Kinder böse wären.
Vor Allem wurde deren Priester später von der Polizei abgeholt... :-(

Als ich in der vierten Klasse dann mal die richtige Bibel gelesen habe (bis dato hatte ich nur eine harmlose Kinderbibel), bin ich dann auch nicht mehr zum Religionsunterricht!

Postpanamamaxi hat gesagt…

Wir sind evangelisch. Ich eher aktiv, wenngleich auch kein Gottesdienstgänger, mein Partner ist eher so ein Mitläufertyp.

Für alles, was mit Glauben und Spiritualität zu tun hat, bin also ich zuständig.
Seit der Adventszeit lese ich meinem Vierjährigen häufiger aus der Kinderbibel vor, wobei ich oft meine eigene Erklärung und Ausdrucksweise vorziehe.
Und im Moment ackern wir uns durch die Passionsgeschichte, wobei mein Kleiner natürlich auch wissen möchte, was denn der Hase und die Eier damit zu tun haben, dass man Jesus ans Kreuz genagelt hat. Und warum soviele Frauen in der Bibel Maria heißen (war wahrscheinlich so ein Modename wie Sophie heute).

Und ich mühe mich von Herzen, dass meine Kinder nicht nur eine Sichtweise kennenlernen, sondern auch die aus früheren Zeiten und die von anderen Leuten mit anderem Glauben.

Weil ich vermute, dass es klüger ist, nach Gemeinsamkeiten zu suchen, anstatt auf den Unterschieden herumzuhacken.

Alles Liebe!

Postpanamamaxi

danny hat gesagt…

Das war mal ein wirklich schöner Bericht. Mit 14 jahren hast du die schule schon verlassen? War man denn damals schon fertig, wenn man 14 war? Ich meine es ist ja nun schon eine ganze Weile her :-) Ich persönlich halte nichts von kirche. Ich habe mal das Buch, wie buchstabiert man Gott gelesen und fand den Buddhismus am interessantesten.

Hexe hat gesagt…

Hallo Danny,
ja, das war 1968 völlig normal mit 14 die Schule zu verlassen. Damals gab es ja noch Volksschulen, die besuchte man 8, später 9 Jahre. Und da durch die Umstellung der Einschulung von Frühling auf Sommer auch noch 2 Schuljahre kürzer waren, war ich zwar 9 Schuljahre lang, aber nur 8 Jahre in der Schule.