Freitag, 13. November 2009

Auch mal ein paar Gedanken um den Tod von Robert Enke

Nachdem der Torhüter Robert Enke sich umgebracht hat, gibt es in den Medien einen unglaublichen Hype darum. Fast wie bei Michael Jackson. Am Anfang stand bei den Meisten die Bestürzung aber inzwischen gibt es immer mehr Stimmen, die den Toten als Feigling, Weichei oder Schlimmeres bezeichnen.

Am meisten wird von diesen Leuten der Lokführer bedauert. Ich habe mal gelesen, statistisch gesehen hat jeder Lokführer in seinem Arbeitsleben 2,5 Selbstmorde zu verkraften. Das fand ich schon immer ganz furchtbar, wie kann man so etwas verarbeiten?

Aber ich war auch einmal in einem Seminar wo es auch über Depressionen ging. Und das ist eine ganz furchtbare Krankheit. Nicht die kleinen depressiven Verstimmungen, die Jeder mal hat. Ich meine die wirklichen Depressionen, die das Leben zerstören und von der Umgebung meist nicht ernst genommen werden. Wer Depressionen hat ist eben ein"Weichei" oder will sich nur aus der Verantwortung ziehen. Wenn so ein Mensch sich dann umbringt, kann er garnicht darüber nachdenken, was er Anderen damit antut.

Und ob Herr Enke (den ich vorher garnicht kannte) nun prominent war oder nicht, er war ein Mensch!!!! Und das Theater was jetzt gemacht wird, macht nicht er, dass macht der Fußballzirkus aus welchem Grund auch immer. Und es ist auch sicher nicht im Sinne des Toten.

Sicher tut mir der Lokführer und seine Familie leid. Mir tut aber auch Enkes Familie leid. Bei einem unbekannten Selbstmörder ist es für die Familie schon schwer zu verkraften, denn man macht sich auch wider besseres Wissen Vorwürfe ob man es nicht doch hätte verhindern können. Aber das jetzt in der Öffentlichkeit verarbeiten zu müssen stelle ich mir noch viel furchtbarer vor.

Und mir tut Robert Enke leid. Wie einsam muss er sich gefühlt haben und wie groß muss der Druck gewesen sein, dass er keinen anderen Ausweg mehr sah als den Tod. Und ich glaube, es gehört einiges an Mut dazu, sich vor einen Zug zu werfen. Ich hätte ihn nicht.

Kommentare:

Ulf von Schellenberg hat gesagt…

Ja, er war prominent, hat mit Sicherheit nicht wenig Geld verdient und lebte mit Frau und adoptierem Kind zusammen, seine leibliche Tochter starb im Alter von nur zwei Jahren vor kurzem an einem Herzfehler, ob das der letztendliche Grund für seinen Selbstmord war, wird niemand je erfahren. Wie verzweifelt und von Versagensängsten geplagt muss dieser Mensch gewesen sein, solch einen Entschluss zu fassen...

Zwergenwelt hat gesagt…

Ich denke, dass ganze Medienspektakle vom DFB ist auch nur dazu da, abzulenken, von dem ungeheuren Erfolgsdruck, dem die Fußballer ausgesetzt sind, siehe Fc Bayern München.
Der Sport ist doch schon lange kein Sport mehr sondern ein Affenzirkus von Selbstdarstellern und völlig überzogenen Gehältern. Wer nicht pariert oder Leistung punktgenau abrufen kann, fliegt. Unter diesem Druck kann ein labiler Mensch, der schon Schweres im Leben erlebt hat, einfach nicht bestehen.
Das ganze Gerede ist so unangenehem, der DFB sollte sich auch mal an der eigenen Nase packen, wieviele sind schon auf der Strecke geblieben!!!
Liebe Grüße und dir alles Gute fürs Knie, cornelia

Ashmodai hat gesagt…

Da kann ich nur nicken.
Und ich finde diese Leichenfledderei ganz furchtbar.

Lyhaire hat gesagt…

Der Tod von Robert Enke hat mich auch sehr getroffen, ich finde es immer shclimm wenn so junge Menschen so früh gehen. Das Thema selbstmord ist für mich immer mit etwas zwispältigen gefühlen begleitet. Ein Selbstmord ist meist eine sehr egoistische Sache.
In diesem Falli liegt aber alles etwas anders. Was der Volksmund als "Depression" bezeichnet ist nicht das was der Psychologe als solches bezeichnet. EIne depression ist im allgemeinen Glauben ein Stimmungstief wo man traurig ist.
Ich habe aber gelernt das eine Depression eine Krankheit ist die weit über das stimmungstief hinaus geht. Es ist ein zustand des nicht-fühlens. Man fühlt letztlich nichts, mman hat keinen Antrieb, ist unruhig, hat Schlafstörungen. Und allein der Zustand des nicht-fühlens ist für mich nicht mal ansatzweise verständlich. Wie schlimm muss es sein? Ich glaube keiner der diesen zustand jemals erlebt hat kann jemals ermessen was es bedeutet Depressionen zu haben. Von daher ist es eine unverschämtheit und einfach absolut unmöglich da von Feigheit zu sprechen.

Hexe hat gesagt…

@Maria
genau das denke ich auch.

Anonym hat gesagt…

Nach dem, was ich so gehört habe, kämpfen Menschen mit Depressionen oft ständig dagegen an, dass auf Brücken, bei vorbeifahrenden Zügen oder LKWs etwas in ihrem Inneren flüstert:"Nur ein kleiner Schritt...Es kann doch so einfach sein....Du brauchst dich nur fallen zu lassen...." Dem zu widerstehen, dazu gehört eine Menge Mut und Kraft. Aber irgendwann kommt ein Moment, wo Mut und Kraft nicht mehr stark genug sind.....
Enke und seine Familie tun mir unendlich leid. Genauso aber auch der Lokführer und die Menschen, die als erste am Unfallort waren und diese Bilder nicht aus dem Kopf bekommen.
Lidania

Sir Mauriac hat gesagt…

Herr Enkes Tod ist tragisch, aber was die Medien da wieder um der Quote willen veranstalten grenzt an mediale Leichenfledderei. Erbarmungslos wird ausgeschlachtet und spekuliert bis zum Erbrechen, aber wirklich thematisiert wird das Thema Depression nur oberflächlich, was zeigt, dass von der Seite der Medien her kein wirkliches Interesse daran besteht.
Ich selber habe eine mittelschwere Depression mitgemacht und gelernt damit zu leben, dass nichts mehr sein wird wie zuvor, dass ich jederzeit wieder abgleiten kann. Wenn sich die Leute, die Frage stellen, ja wieso hat denn da keiner was gemerkt? Da sage ich nur, das merkt auch nicht wirklich einer, so etwas schirmt man so lange wie die Kraft ausreicht vom täglichen Leben ab, damit es keiner merkt. Warum? Da verweise ich auf die Weicheier-Statements die zeigen, dass es mit der Toleranz um diese Krankheit noch lange nicht so weit her ist wie man meinen möchte.

Lyhaire hat gesagt…

Natürlich sollte es heissen:
Ich glaube einer der diesen zustand niemals erlebt hat kann jemals ermessen was es bedeutet Depressionen zu haben.

@ Leichenfledderei: Stimme ich absolut zu. Mich hat es vor allem tief getroffen und wütend gemacht als ich gesehen hab wie sie in den Nachrichten die Witwe gezeigt haben wie sie gerade zum Unfallort kam und fragte: Ist er Tot? Was ist mit menem Mann

Muss man da ernsthaft mit der Kamera voll draufhalten? Ist das nötig? Ich finde nicht udn es ist eine unverschämtheit von den Medien das zu tun und genau diese Szene auch noch zu zeigen

Hexe hat gesagt…

@Alle
Eure Reaktionen geben mir doch ein wenig den Glauben an das Menschliche zurück. Danke euch.

brunohs hat gesagt…

Ich finde auch das man viel zu viel Wind um diesen Enke macht. Auch ich kannte ihn vorher nicht und habe diesen Namen zum ersten mal gehört. Gut er hatte depressionen. Aber ich denke das er sich doch gute ärzte hätte leisten können. Der Lokführer wird sicher einen Schock haben und lange brauchen bis er drüber hinweg ist. Und die Frau? Ich weiss nicht, gleich danach war sie ja in jeder Kamera und jeder Zeitung zu sehen... Ich verstehe die Leute nicht.

Anonym hat gesagt…

@ brunohs
Sie hat die Kameras und die Zeitungen nicht gesucht - die sind zu ihr gekommen. Es ist schwer, sich in solcher Situation gegen diese Vereinnahmung zu wehren, denn man hat ja das Bedürfnis über seinen Kummer zu sprechen und den geliebten Mann gegen als Unrecht empfundene Unterstellungen zu verteidigen. Da kommt dann schnell so etwas zu Stande.
Und so wie ich Presse und Medien kennengelernt habe, geben die nicht das wieder, was sie wirklich zum Ausdruck bringen wollte, sondern das, von dem die Medien meinen, dass es ihre Verkaufszahlen fördert.
Lidania

RUDHI - Chance hat gesagt…

Es gibt den ehrenwerten Freitod und den Flucht- bzw. Kurzschluß-Selbstmord. Lebens-Überdrüssige sollten sich besser gleich in den Hochofen werfen, um wenigstens anderen die schockierende 'Sauerei' zu ersparen. Depression ist eine Hormonstörung, und könnte durch geeignete Natur-Medizin behoben werden. Als Melancholie ist sie eine uralte Künstler-Krankheit. Mögen alle in Frieden ruhen, die aus diesem Leben gingen; wie auch immer! Denn wir wissen nicht, wie wir einst aus diesem Leben scheiden...