Samstag, 13. Juni 2009

Ein schauriges Gedicht

Heute habe ich mal in meinen Bücher sortiert und dabei fiel mir ein kleiner Band mit Gedichten von Annette von Droste-Hülshoff in die Hand. Ich habe es als Schulmädchen gehasst lange Balladen auswendig zu lernen aber dieses hier fand ich total spannend.






Der Knabe im Moor

O schaurig ist's übers Moor zu gehn,
Wenn es wimmelt vom Heiderauche,
Sich wie Phantome die Dünste drehn
Und die Ranke häkelt am Strauche,
Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
Wenn aus der Spalte es zischt und singt! --
O schaurig ist's übers Moor zu gehn,
Wenn das Röhricht knistert im Hauche!

Fest hält die Fibel das zitternde Kind
Und rennt als ob man es jage;
Hohl über die Fläche sauset der Wind --
Was raschelt drüben am Hage?
Das ist der gespenstige Gräberknecht,
Der dem Meister die besten Torfe verzecht;
Hu, hu, es bricht wie ein irres Rind!
Hinducket das Knäblein zage.

Vom Ufer starret Gestumpf hervor,
Unheimlich nicket die Föhre,
Der Knabe rennt, gespannt das Ohr,
Durch Riesenhalme wie Speere;
Und wie es rieselt und knittert darin!
Das ist die unselige Spinnerin,
Das ist die gebannte Spinnlenor',
Die den Haspel dreht im Geröhre!

Voran, voran, nur immer im Lauf,
Voran als woll' es ihn holen!
Vor seinem Fuße brodelt es auf,
Es pfeift ihm unter den Sohlen
Wie eine gespenstige Melodei;
Das ist der Geigemann ungetreu,
Das ist der diebische Fiedler Knauf,
Der den Hochzeitheller gestohlen!

Da birst das Moor, ein Seufzer geht
Hervor aus der klaffenden Höhle;
Weh, weh, da ruft die verdammte Margret:
Â"Ho, ho, meine arme Seele!Â"
Der Knabe springt wie ein wundes Reh;
Wär' nicht Schutzengel in seiner Näh',
Seine bleichenden Knöchelchen fände spät
Ein Gräber im Moorgeschwele.

Da mählich gründet der Boden sich,
Und drüben, neben der Weide,
Die Lampe flimmert so heimatlich,
Der Knabe steht an der Scheide.
Tief atmet er auf, zum Moor zurück
Noch immer wirft er den scheuen Blick:
Ja, im Geröhre war's fürchterlich,
O schaurig war's in der Heide!

Kommentare:

schatten_rabe hat gesagt…

Wow, klasse. Ich liebe solch schaurig schöne Verse.
Moore(bei Nacht)haben etwas fazinierendes und Mystisches. Kein Wunder das sie zu solchen Gedichten verleiten.

RUDHI - DAILY hat gesagt…

Die poetische Annette war gewiss 'ne Nette in ihrem Burg-Stübchen am Bodensee...

kathrin hat gesagt…

hui johr, hast recht...tolles Gedicht !!!! ich hatte als Kind immer viel Respekt vorm Moor, im Oldenburger Museum am Damm die echten Moorleichen gesehen als Kind (bin in OL geboren und groß geworden)und die vielen geschichten meiner Großeltern und sonstigen älteren Leutchen....huhu, ich hab mal im Moor einen nagelneuen Halbschuh verloren, da war ich ca 12, bin mit eim Bein voll eingesackt, schwupps Bein kriegte ich raus, aber ohne Schuh, mußte 12 km mit einem Schuh zurück, und die Schelte au weia....