Freitag, 17. April 2009

Lieblingsorte Teil 5 - Solingen

Ich gebe zu, ich gehöre zu dem seltenen Exemplar Solinger, die ihre Heimatstadt lieben. Auch wenn ich nicht hier geboren wurde. Ich kann nicht verstehen, warum so viele Solinger ständig an unserer Stadt rum meckern.

Hier gibt es Alles, was man braucht. Und was es hier nicht gibt, braucht man auch nicht wirklich.

Seit 30 Jahren wohne ich hier und ich habe schon eine ganze Reihe von Stadtteilen bewohnt. Aber hier in der City finde ich es am besten. Ich kann fußläufig das Theater, das Cinemaxx, die Einkaufspassage und Fußgängerzone erreichen. Habe Buchläden vor der Tür. Zum Bahnhaltepunkt sind es 3 Minuten Fußweg, zur Bushaltestelle 1 Minute. Das neue Kulturzentrum Südpark ist 2 Minuten entfernt.

Zugegeben, wirtschaftlich gesehen ist Solingen hochverschuldet. Und leider gibt es in der Innenstadt zu wenig Lebensmittelgeschäfte. Aber im Großen und ganzen ist es wunderschön hier.

Umgeben von Wäldern, was für eine Stadt mit 165.000 Einwohnern nicht selbstverständlich ist, liegt Solingen in einem Dreieck mit Wuppertal und Remscheid. Köln und Düsseldorf sind auch mit dem ÖPNV gut zu erreichen. Es gibt einiges an Museen. Z.B. das Kunstmuseum Baden, das Klingenmuseum, das Industriemuseum Gesenkschmiede Hendrichs oder das Bergische Museum auf Schloss Burg. Aber auch so skurile Sachen wie ein Laurel und Hardy Museum.



Der Stadtteil Gräfrath hat einen erhaltenen Markt mit Brunnen und Fachwerkschieferhäusern. Diese so typischen Häuser findet man in Solingen noch an jeder Ecke. Ob Fachwerk oder verschiefert, sie sind allgegenwärtig im Stadtbild.

Auch in den Außengebieten gibt es noch zahlreiche erhaltene Schleifkotten, die man zum Teil besichtigen kann, wie den Balkhauser Kotten, oder die als Restaurant dienen. Die meisten davon an der Wupper.

An der Wupper findet man auch die berühmte Müngstener Brücke, die Solingen und Remscheid mit einer Eisenbahnlinie verbindet.



Und natürlich darf Schloss Burg nicht vergessen werden. Aber darüber habe ich ja schon berichtet.



Solingen hat auch schlimme Tage erlebt. So wurden im 2. Weltkrieg in zwei Bombennächten 1.658 Menschen nur in der Innenstadt getötet.

Der schlimmste Tag in der Solinger Geschichte war aber der 29. Mai 1993, als ein paar rechtsorientierte Jugendliche ein von einer türkischen Familie bewohntes Wohnhaus anzüdeten. 5 tote Frauen und Kinder und viele zum Teil Schwerverletzte waren zu beklagen. Bis heute ist diese schreckliche Tat nicht vergessen und wird jedes Jahr wieder beklagt.

Berühmte Solinger gibt es auch. Da wären zu nennen: Walter Scheel, Veronica Ferres, Michael Lesch, Jochen Pützenbacher (den älteren als RTL Radio Moderator der 60er Jahre bekannt), Pina Bausch, Richard David Precht und viele andere mehr.

Und natürlich nicht zu vergessen ich und meine Familie.

Kommentare:

Ulf von Schellenberg hat gesagt…

Solingen hat noch immer einen guten Ruf, wenn es um Stahlwaren wie Messer und Scheren geht, oder ist das nicht mehr so?

Ich wollte immer mal das Klingenmuseum besuchen, aber irgendwie hab ich`s nicht geschafft...

Ja und Schloss Burg natürlich, was für eine grandiose Kulisse für Mittelalterfeste! Ich freue mich schon auf den nächsten Besuch dort!

Kessi hat gesagt…

Ihr seid die Wichtigsten :-), das Herzstück. Sehr schöner Bericht über Deine Heimatstadt, der einem dadurch ebenfalls richtig ans Herz wächst beim Lesen. Oft weiss man so wenig vom eigenen Land und denkt, naja, Solingen... weiss ungefähr wo es liegt und was dort produziert wird, aber interessiert sich nicht weiter dafür, stimmts? Und dann lernt man jemand aus diesem Ort kennen, erzählt und bereichert sich gegenseitig mit tollen Berichten aus seiner Heimat und urplötzlich mag man diese Stadt auch... :) und man will sie vor allem selbst entdecken und kennenlernen. Danke für die bisherigen sehr interessanten 5 Teile der Lieblingsortvorstellungen!

Hexe hat gesagt…

@Ulf
Stimmt immer noch. Solinger Stahlwaren sind wirklich Weltklasse. Leider schlägt gerade hier die Weltwirtschaftskrise voll zu und selbst große Betriebe wie Zwilling oder Dreizack müssen Kurzarbeit machen.
Das Klingenmuseum ist ein Prachtstück. Auch was Blankwaffen betrifft.

@Kessi
Ja, das stimmt. Seit ich blogge habe ich auch so Vieles dazu gelernt und viele neue Freunde gefunden. Ich glaube, darüber werde ich mal einen Post machen.

Belibaste hat gesagt…

Deine Stadt scheint wirklich schön zu sein. Ich kann mich ja auch nicht beklagen, aber ich wohne etwas ausserhalb der Stadt, im Grünen und da hat man für alles eine weite Anreise.