Mittwoch, 4. März 2009

Köln verliert sein historisches Gedächtnis

Wie man seit gestern Nachmittag ja in den Medien sehen kann, ist in Köln an der Severinstraße das "Historische Stadtarchiv" zusammen mit 2 Wohnhäusern eingestürzt.

So viel ich weiß geht das Historische Archiv bis auf das Jahr 900 n Chr. zurück, also rund 1000 Jahre. Das ist ein absoluter und gerade für uns Mittelalterfreunde schmerzhafter Verlust.

Ich habe mir vorhin live die Pressekonferenz aus Köln angesehen und bin überzeugt, die tun Alles, um zu retten was möglich ist. Man ist momentan dabei, den Schuttberg mit Planen gegen den angekündigten Regen zu schützen, denn Wasser ist der schlimmste Feinde der alten Schätze. Zum Glück wurden schon seit einiger Zeit Dokumente auch woanders gelagert und der Anbau, wo auch eine Menge war, blieb unbeschädigt. Und die Fachleute und Archivare hoffen, einen großen Teil der Sachen retten zu können.

Um an den Schuttberg und den 12 Meter tiefen Krater heranzukommen, müssen von einer rückwärtigen Straße aus das Hintergebäude des Archivs und die Nebengebäude, die kurz vor dem Einstrurz stehen, zunächst abgerissen und abtransportiert werden. Erst dann kann man an die eigentliche Unglücksstelle heran. In der Nacht sind 300 Tonnen Beton in die unterirdischen Löcher gepumpt worden, um das Ganze etwas abzustützen. Das wird sicher Tage dauern und das Sichern der Dokumente im Schutt kann auch nicht in einer Woche passieren. Noch ein Nadelöhr mehr im ohnehin schon Stau trächtigen Kölner Verkehr.

Nichts desto trotz ist es ein unglaublicher Skandal. Die Schäden durch den U-Bahn-Bau sind seit Jahren gewachsen. Vor 4 Jahren wäre in unmittelaberer Nähe fast ein Kirchturm umgestürzt. Eine wundervolle alte Kirche wird zur Zeit gerade restauriert. Dort wäre beinahe das Deckengewölbe heruntergestürzt.Der Rathausturm hat sich gesenkt und der OB sprach eben davon, dass auch im Kölner Rathaus Risse entstanden sind.

Der kölsche Klüngel hat sicher auch damit zu tun. Denn eigentlich müssten Ingenieure, die mit solchen Großbaustellen zu tun haben, in der Lage sein, exakte statische Berechnungen zu führen.

Ich hoffe jetzt nur, die 2 noch immer vermissten Personen finden sich unversehrt an und es werden möglichst viele der historischen Akten gerettet.

Und ich bin dankbar, dass nicht mehr passiert ist. Nicht auszudenken, wenn die Gymnasiasten gerade Schulschluss gehabt hätten und sich auf der Straße aufgehalten hätten. Oder wenn das eine Woche früher passiert wäre. Der Rosenmontagszug zieht meines Wissens nach dort entlang.

Kommentare:

Ulf von Schellenberg hat gesagt…

Dieses Thema scheint etliche von uns doch sehr zu bewegen, unabhängig voneinander haben Bruno und ich heute auch darüber geschrieben.
Hoffen wir, dass es keine Menschenleben gekostet hat, der Verlust unschätzbarer Kulturgüter ist schon schlimm genug!

Kessi hat gesagt…

Das ist wirklich ein ungeheurer Skandal und man sieht, dass das Moderne nicht immer ein Segen ist. Überall alles zu verbauen, nur damit man noch schneller und noch besser irgendwo hinkommt ist meiner Meinung nach keine Lösung. So werden in der Zukunft immer mehr solche Katastrophen entstehen, die Häuser werden höher gebaut, die Straßen alle ver- und unterbaut und die Technik wird irgendwann, das will man nur nicht wissen, auch seinen Schaden anrichten. Auch wenn ich selbst neuste Einrichtungen nutze, so versuche ich es doch, so bewusst wie möglich zu tun, naja, soweit es eben geht. Hoffe auch sehr, dass keine weiteren Menschen verletzt oder zu Schaden gekommen sind, das war Glück im Unglück und das Archiv, ist eine Tragödie, aber das ist heute alles doppelt und dreifach an verschiedenen Orten hinterlegt und geschützt, so dass im schlimmsten Fall nur Originaldokumente zerstört sein können. War total erschrocken, als ich es in der Zeitung gelesen habe, aber doch auch sehr froh, dass nichts weiteres furchtbares im grossen Ausmass geschehen ist.

Feona Malea hat gesagt…

Schlimm ... wirklich :(