Freitag, 16. Januar 2009

Mittelaltermärkte

Wie meine Leser wissen, bin ich häufiger auf Mittelaltermärkten also in der Mittelalterszene anzutreffen. Das ist mein liebstes Hobby und es hat sich im Laufe der Jahre immer weiter entwickelt.

Nun gibt es gute und weniger gute Märkte. Es gibt
sehr große Spektakuli, die auf großen Terrains aufgebaut werden und eine Menge Eintritt kosten. Und es gibt kleinere Märkte, die oft innerhalb oder rund um Burgen oder Ruinen stattfinden. Und dann gibt es noch ganz kleine Märkte, die oft von Vereinen oder Dörfern ausgerichtet werden, die mal ein anderes Vereins- oder Dorffest wollen. Da ist dann oft der Wunsch größer als das Können.

Meistens sind diese Märkte jedoch gut, haben eine Vielfalt an Verkau
fs- Ess- und Trinkständen. Gaukler, Spielleut und manchmal auch die richtig großen, bekannten Musikgruppen kann man antreffen. Vielfach hört man den sogenannten Marktsprech, eine absolut nicht historische Kunstsprache. Auch Bauch- oder Tribaltanz kann man sehen, Turniere und vielerlei buntes Volk in malerischen Lagern. Oft werden auch allerlei alte Handwerke vorgeführt.


Satzvey, Lager einer befreundeten Gruppe


Die großen, teuren Märkte bieten abends noch einen Pestumzug und allerlei besondere Possen und natürlich
die ganz bekannten und beliebten Gruppen wie Saltatio Mortis, Schelmish oder Faun. Nur um ein paar zu nennen.

Die kleineren Märkte sind meist familiärer und haben auch kleinere und unbekanntere Gaukler oder Spielleut im Programm.

Das Publikum ist zum Teil in abenteuerlichen Gewandungen zu sehen. Oder schwarz gekleidet und Vampiren ähnlich. Selbst spitzohrigen Elben oder gruseligen Orks kann man begegnen. Oder eben ganz normal gekleideten Besuchern, die an all dem bunten Volk ihren Spaß habe
n.

Nur eines kann man auf so einem Markt niemals. Dem wahren, authentischen Mittelalter begegnen.

Und das ruft immer wieder massive Kritik der sogenannten A-Fraktion hervor. Das sind Leute, die Reenactement oder Living History betreiben. Die Alles 100% genauso haben wollen, wie es denn vor 1000 Jahren auch war. Museumsreif also. Immer wieder kommt von dieser Seite der Vorwurf:"Ihr bringt den Leuten eine falsche unhistorische Meinung über das Mittelalter bei."

Aber meiner Meinung nach erwartet kein sogenannter Touri (Besucher) auf einem Mittelaltermarkt eine
Unterrichtseinheit in Historie oder Geschichte. Die holt man sich im Museum denke ich. Niemand der Darsteller auf einem Spektakulum behauptet, genau so sei es vor 1000 Jahren zu gegangen.

Wer würde auch gerne einen Markt erleben, auf dem verdorbenes, da ungekühltes, Fleisch angeboten würde? Wo der Geruch nach Exkrementen und Abfall in der Luft liegt? Wo der Henker im Einsatz ist usw? Man zahlt doch seinen Obulus um Spaß zu haben, einmal der Wirklichkeit zu entfliehen.

Interessiert es die Besucher wirklich, ob die Schankmaid unter der Gewandung wollene Unterwäsche trägt oder der Edelmann ein Handy irgendwo versteckt?

Was meint ihr dazu, liebe Leser?







Noch ein Nachtrag. Zu diesen und anderen Themen rund ums Mittelalter gibt es zwei wirklich schönen Foren, in denen ich auch mit schreibe. Einmal das Mittelalterforum von meinem lieben Bruno von Merseburg und zum anderen das Forum Mittelalterfreunde, wo es mehr um den Spaß und die Märkte geht.

Kommentare:

brunohs hat gesagt…

Hallo Hexe
Toll dieser Artikel. Wirklich schön geschrieben. Ja diese A Fraktion, ich muss gestehen habe ich zum allererstenmal im Forum gehört und war mir vorher völlig unbekannt diese Bezeichnung. Aber ich denke es gibt halt viele verschiedene Bedürfnisse in der Szene, was dem einen gefällt das kann der andere schon wieder schrecklich finden. So ist das.

Ich denke trotzdem, dass der Touri(Besucher) es nicht für wichtig hält, ob es nun 100% ig ist. Er möchte etwas erleben, undgefähr die Richtung haben wie s hätte sein können. Also ich bin ja nun auch ein Mittelalterfan, aber möchte nicht durch die Kloake laufen, verdorbenes Fleich zu mir nehmenn oder mein Geschäft einfach da erledigen wo ich gerade stehe. Was wäre das nur für ein fürchterlicher Geruch, wenn alle sich dort entledigen wo sie gerade sind. Ist ja auch der Gesundheit nicht gerade zuträglich.

Bei den Gewandungen allerdings sollte man schon etwas darauf achten, das man nicht gerade als Vampir daher kommt, denn ich glaube auch im Mittelalter hatte niemand eine Kleidung an wie Orks, Vampire oder ähnlichem. Ich denke viele haben sich von Herr der Ringe etwas falsches Abgeschaut. Herr der Ringe spielte ja nicht im Mittelalter....... Aber wenn Kleidung selbstgemacht ist so wie die von dir und deinem Mann ( grüsse ihn mal), dann finde ich das gut, zumal eine Menge arbeit darin steckt.

So nun habe ich soviel geschrieben.Ich hoffe der Platz reicht noch für andere! Schönes Wochenende, denn ich muss jetzt gleich los zum Bahnhof weil ich auf die arbeit muss!!

Kessi hat gesagt…

Ich finde es so wie sie jetzt stattfinden vollkommen in Ordnung. Wir sind doch alle bei klarem Verstand und können uns ein bischen in das "damals" eindenken, brauchen doch nicht das absolut identische... zumal das, wie Du schon sehr schön beschrieben hast, ohnehin nicht realisierbar wäre...
Bei uns hier in der Gegend finden auch immer mal sehr schöne mittelalterlich Events oder Märkte statt und es war immer sehr schön bunt und vielseitig, für jeden war etwas dabei und jeder konnte das tun oder dort hingehen, was ihm am meisten Freude bereitet hat.
Aber danke für Deinen schönen Bericht zum Thema, ich muss zugeben, mich bislang noch nicht allzutief mit dem Thema beschäftigt zu haben, ich lese sehr gerne "Mittelalterromane", höre auch mal Musik (naja eher selten, aber ich höre... :) ) und ich besuche auch gerne die Veranstaltungen, weil es immer sehr schön ist und eine tolle Atmosphäre. Die Menschen, die diese Veranstaltungen kritisieren sind meiner Meinung nach nur neidisch, weil sie selbst so etwas nicht auf die Beine stellen können, oder? Wäre möglich...
So, muss arbeiten gehen, ein schönes Wochenende, werdet mir wieder gesund und alles Liebe - Kessi

Ulf von Schellenberg hat gesagt…

Ja, liebe Margo,
das hätte auch ich schreiben können, Du kennst ja meine Meinung zu den A`s! Nur beim Marktsprech bin ich anderer Auffassung, ich halte es für vollkommen in Ordnung wenn die Spielleute, Gaukler, Händler und engagierte Besucher sich dieser Sprache bedienen, alles andere ist ja auch mehr Phantasie als Historie, aber genau so ist es gut. Menschen wie Du und ich und viele tausend andere arbeiten an dieser einzigartigen Kultur mit und daran habe ich verdammt viel Spass!
Kessi und Bruno: Vielleicht habt Ihr ja Lust auf einen Kurzurlaub Ende April zur Saisoneröffnung des MPS in Gelsenkirchen? Stelle mich dann gern auch als Fremdenführer zur Verfügung, es gibt so viel zu sehen hier!

Hexe hat gesagt…

Ja Ulf, Marktsprech ist eben so eine Sache. Aber ich habe doch nur geschrieben, dass er nicht historisch ist.

Leider werden wir von Triskehle dieses Jahr erstmalig nicht in Gelsenkirchen dabei sein, da wir ja in Ingelheim ist. (Übrigens ein sehr korrekter Veranstalter.)

Ray Gratzner hat gesagt…

Liebe hexe,

das war ein zauberhafter, gut geschriebener Artikel, dem man anmerkt, dass Du gerne im Mittelaltermarkt herumläufts.
Sicher, Spaß soll es machen - aber Deutschland ist leider auch bevölkert von Lehrern, Vorschriftenerfindern und Penetranten...LG Rainer

Hexe hat gesagt…

Das stimmt leider Rainer. Vielen Dank.

Ashmodai hat gesagt…

Das ist sehr schön geschrieben.
Und bei Marktsprech bekomme ich Plaque.
Ich glaube, in so manchem vergangenem Leben hätte ich so manchem eine gedonnert, wenn er mich so angeredet hätte. :-D